Montag, 10. Februar 2014

Colayo / Salasa / Burgos



Freitag, 7.02.2014
Heute treffen wir uns früh um 8.00h mit Fr. Divino an der Kirche um ihn in die Barangay Colayo zur wöchentlichen Messe zu begleiten. „Colayo“ heisst „weit weg“ – die Barangay trägt diesen Namen aufgrund der Tatsache, dass die Strasse unbefestigt und es daher ein langer und mühsamer Weg dorthin war. Heute ist die Strasse besser und man kommt schneller dorthin, aber der Name ist geblieben.
Als wir an der Kapelle ankommen wird die Glocke geläutet – ein Zeichen für alle BewohnerInnen, dass in Kürze die Messe beginnt. Man hat uns schon kommen sehen, aber zuerst finden sich nur wenige Frauen ein. Also wird die Glocke erneut geläutet! Zu Beginn der Messe sind es dann ca. 15 Frauen und Kinder und 2 alte Männer. Fr. Divino ist erst seit kurzem in der Parish Bani tätig und bei der Begrüßung stellt sich dann heraus, dass einige der Frauen mich zwar kennen, da sie mich bei meinen letzten Besuchen in Bani gesehen habe, Fr. Divino aber nur für den Fahrer gehalten haben. Das sorgt dann für ein herzliches Gelächter zu Beginn des Gottesdiensts. Im Anschluss werden wir dann noch kurz zu einer kleinen Merienda in das Haus der Vertreterin des örtlichen Pfarrgemeinderates gebeten. Aber da Fr. Divino weitere Termine hat fahren wir schon bald zurück nach Bani. Dort warten wir im Pfarrhaus bis es Zeit zum Mittagessen ist, was mir Gelegenheit gibt meine Mails zu checken und weitere Teile meines Berichtes zu veröffentlichen.
Nach der Mittagspause haben wir um 14.00h ein Treffen mit den SchülerInnen aus unserem „Scholarchip-program“. Derzeit sind es noch vier: Nikkhie, Avelino, Wilfred und Lyzander. Alle werden zum Ende des Schuljahres 2014, d.h. Ende März/Anfang April ihren Abschluss machen und dann hoffentlich bald eine bezahlte Arbeit in dem erlernten Beruf finden. Nikkhie macht eine Ausbildung zur Krankenschwester und Avelino zum Automechaniker. Wilfred studiert Mathematik für Lehramt und Lyzander macht eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Zu Beginn sind alle noch etwas zurückhaltend und schüchtern, aber schon nach kurzer Zeit ist das Eis gebrochen und sie erzählen von sich und ihrem derzeitigen Tagesablauf. Mit von der Partie ist auch Ronald, der letztes Jahr schon seinen Abschluss zum Grundschullehrer gemacht hat. Leider hat er bis jetzt noch keine Anstellung als Lehrer gefunden, obwohl er sich schon bei einigen Schulen beworben hat. Zwischendurch hat er für ein paar Monate in Baguio in einem Callcenter gearbeitet, ist dann aber wieder nach Bani zurück gekommen. Derzeit hilft er seiner Mutter, die einen Gemüsestand auf dem Markt von Bani betreibt. Sein Bestreben ist es aber noch die Prüfung für das Lehramt an staatlichen Schulen zu machen. Das wird die Chance auf eine Stelle für ihn deutlich verbessern. Einzig Rachelle Ann hat es geschafft nach ihrem Abschluss letztes Jahr eine Stelle in Manila zu bekommen. Daher kann sie bei dem Treffen auch nicht anwesend sein, denn sie hat den Job erst kürzlich angetreten und wir wissen ja alle, dass man nach wenigen Tagen nicht schon Urlaub nehmen kann. Das ist hier nicht anders als bei uns.
Der Rest des Nachmittags ist frei, da wir erst am Abend um 18.30h bei den Schwestern zum Abendessen verabredet sind. Dort werden wir, wie schon die letzten Male, von Sr. Maribelle, Sr. Colette und Sr. Anna mit einem Menü aus philippinischen und burmesischen Köstlichkeiten verwöhnt. Sr. Colette und Sr. Anna kommen aus Myanmar (früher Burma) und wurden von ihrem Orden schon vor einigen Jahren auf die Philippinen gesendet. Bevor sich die Runde auflöst singt Sr. Anna auf Wunsch von Fr. Divino uns ein burmesisches Lied in ihrer Muttersprache – für mich das erste Mal diese Sprache zu hören.
Zurück bei Lita werden wir von ihrer Haushaltshilfe mit der Info empfangen, dass ihr Enkel Zedrick nicht nach Hause gekommen ist. Wie schon berichtet findet derzeit in Bani ja das Pakwan-Festival statt und er ist wohl mit seinen Freunden zur Plaza um sich die Parade anzusehen. Nachdem er um 22.00h immer noch nicht zu Hause ist – Lita ist inzwischen mindestens alle 10 Minuten auf die Strasse gelaufen um besorgt nach ihm Ausschau zu halten – macht sie sich auf den Weg zur Plaza um ihn zu suchen. Als die beiden dann gemeinsam zurück kommen hat er die Strafpredigt schon hinter sich und schleicht sich mit eingezogenen Schultern in sein Zimmer. So kommen wir an diesem Abend erst spät ins Bett.
Samstag, 8.02.2014
Heute ist in Salasa ein Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 300jährigen Jubiläum der Kirche „Our Lady of Lourdes“, zu dem wir eingeladen sind. Wir treffen uns früh um 8.15h an der Ausfallstrasse von Bani Richtung Alaminos. Nito hat schon gestern hier sein Auto abgestellt, da heute in Bani wegen der Parade zum Pakwan-Festival die Straßen gesperrt sind.
Pünktlich zur feierlichen Einweihung der Marienstatue neben der Kirche erreichen wir Salasa. Es sind schon viele Menschen auf dem Platz und bei der anschließenden Messe mit dem Bischof in der Kirche werden es noch mehr. Der Gottesdienst ist wirklich sehr feierlich. Ein gemischter Chor aus verschiedenen Gemeinden unterstützt den Gesang der Gemeinde, da einige der Lieder wohl neu sind. Am Ende der Messe überreicht Peter dann u.a. die Geschenke aus Ffm-Goldstein/Schwanheim, der Partnergemeinde von Salasa, da niemand von dort der Einladung zur heutigen Feier folgen konnte. Anschließend sind dann alle offiziellen Gäste zur Agape – also zum Lunch – in den Convent eingeladen. Mit Peter und Ingrid ist auch Christian Maier gekommen – er ist derzeit in Burgos zu Besuch und bleibt noch bis Montag. Für mich nach einer Woche die erste Gelegenheit mit Peter und Ingrid zu sprechen. Wenn ich am Sonntag nach Burgos umziehe werde ich dazu noch reichlich Gelegenheit haben.
Nach dem Mittagessen und einer kurzen Pause, die einige für eine kleine Siesta nutzen, beginnt die „Streetdance Competition“ – ein Straßentanzwettbewerb ausgetragen zwischen 10 verschiedenen Barangays von Salasa. Das ganze Beginnt mit dem Einzug der Tanzgruppe auf der Plaza, d.h. schon auf dem Weg dorthin werden kurz kleine Teile des Programms vorgeführt. Dann auf der Plaza beginnt nach der offizielle Begrüßung der eigentliche Wettbewerb. Doch darauf müssen wir dann noch fast eine Stunde warten, denn nach dem Hören der phil. Nationalhymne werden erst mal ausführlich alle anwesenden Honoratioren vorgestellt und begrüßt und diese ihrerseits halten dann mehr oder weniger kurze Ansprachen. An diesem Punkt ist meine Ausdauer schon fast erschöpft, da die Sonne inzwischen unseren Platz erreicht hat und erbarmungslos auf uns niederbrennt. Außerdem drängen sich immer mehr Menschen um uns herum, da die Plaza nicht sehr groß ist und der Innenraum ja für die tanzenden Gruppen gebraucht wird. Nach der dritten Gruppe habe ich genug, denn die Hitze ist immer unerträglicher geworden. Dulce, Nita und ich gehen zurück zum Convent und schauen uns in aller Ruhe die Ausstellung der Marienstatuen an. Da es erst um 18.00h mit dem Dinner weitergeht haben wir genug Zeit zum Ausruhen.
Das Dinner beginnt nach 1 ½-stündiger Wartezeit um 19.30h. Bis dahin und währenddessen werden wir mit Livemusik unterhalten. Anstatt am Buffet anzustehen wird uns heute das Essen am Platz serviert. Bei der Masse an Menschen keine einfache Aufgabe für den engagierten Cateringservice. Es geht aber dann doch ziemlich schnell, da ein Heer an Bedienungen das Ganze gut im Griff hat. Das Unterhaltungsprogramm läuft in der Zwischenzeit weiter und steigert sich dann nach dem Essen. Verschiedene Gruppen und Chöre tanzen und singen. Nach dem Chor der Priester verabschieden wir uns und machen uns gegen 22.00h auf den Heimweg nach Bani. Meine letzte Nacht bei Nita – morgen nach dem Gottesdienst werde ich von Peter und Ingrid abgeholt und verbringe mit ihnen die letzten Tage bis zu meiner Heimreise in Burgos.
Auf dem Heimweg bin ich in Gedanken beim Gründungsgottesdienst unserer neuen Pfarrei St.Franziskus + Clara der heute Abend 18.00h Ortszeit in Neu-Anspach stattfindet - leider ohne mich.


Sonntag, 9.02.2014
Meine erste Woche ist jetzt schon vorbei und heute nach der Messe ziehe ich um zu den OC’s nach Burgos. Der Tag startet eigentlich wie gewohnt, aber dann ist doch alles anders. Da wir gestern erst spät zurück gekommen sind haben wir nicht mit bekommen, dass Lita’s Sohn J.R. gekommen ist. So sind wir zum Frühstück zu viert. J.R. und Zedrick gehen dann auf die Plaza sich die Parade zum Pakwan-Festival ansehen, Lita und ich gehen um 8.00h in die Kirche. Der dritte Gottesdienst dieses Sonntag beginnt um 8.30h – heute zusammen mit Peter und Ingrid, die mich anschließend nach Burgos mitnehmen. Wir kommen aber nicht gleich nach dem Gottesdienst los, denn Fr. Jonas möchte den beiden den Fortschritt der Bauarbeiten an der Kirche zeigen. Natürlich wird dann noch die unvermeidliche Merienda serviert – eine heisse Reissuppe mit Hühnchen. Das ist schon fast ein Mittagessen und es ist noch nicht mal 10.00h! Da wir um 12.30h zum Lunch in Burgos sein müssen, machen wir uns dann bald auf den Weg. Erst müssen wir noch mein Gepäck holen und da Lita ein Meeting in Alaminos hat fahren wir diesen kleinen Umweg um sie dort ab zu setzen.
Ingrid nutzt die Gelegenheit für einen kurzen Einkauf auf dem Markt in Alaminos – sie benötigt dringend Spülbürsten. Sie kommt zurück mit zwei großen bunten Toilettenbürsten – es gab nichts anderes. Da die Funktion ja erst nach der ersten Benutzung fest gelegt ist, kommt es darauf nicht an.
In Burgos angekommen zeigen mir Peter und Ingrid zuerst einmal ihr kleines Reich, das sie bewohnen. Es handelt sich um ein geräumiges Gästeappartement mit einer kleinen Wohnküche und  4 Schlafzimmern mit jeweils eigenem Bad. Die Wohnung liegt direkt über dem Speisesaal, den Fr. Aaron „Limburg-Hall“ genannt hat. Das ganze Gebäude ist relativ neu, die Wohnung wurde erst kurz vor Peter und Ingrids Ankunft fertig gestellt. Die Zimmer sind einfach aber sauber und das Bad perfekt ausgestattet. Ich beziehe mein Zimmer und dann ist es auch schon Zeit zum Lunch zu gehen. Das Appartement hat eine direkten Zugang zum darunterliegenden Speisesaal über eine steile Stahlwendeltreppe, die bei jedem Schritt beunruhigend wackelt.
An dieser Stelle ein paar kurze Infos zu den OC’s = Opificies Christi. Es handelt sich um einen relativ jungen Orden der von Fr. Aaron Acorda Bamba gegründet wurde und der Fokularebewegung angehört. Neben Fr. Aaron und einem weiteren Priester leben in der Gemeinschaft noch 9 Brüder – alle ziemlich jung. Mal sehen ob ich es schaffe mir bis zu meiner Abreise alle Namen zu merken.
Nach dem Mittagessen haben wir Zeit für eine Siesta und trinken dann gemütlich einen Kaffee. Wir tauschen uns aus über die Erlebnisse der letzten Zeit und ich berichte über meine Zeit in Bani. Nach einiger Zeit verschwindet Ingrid dann in Richtung Küche, wo Fr. Mike bereits mit den Vorbereitungen für das Abendessen begonnen hat. Tagsüber kümmert sich Irene um die Zubereitung der Mahlzeiten, aber für das Abendessen ist Mike zuständig. Er ist ein leidenschaftlicher Hobbykoch und probiert gerne neue Rezepte aus. Nach einer Weile schaue ich auch mal in der Küche vorbei und helfe noch bei den letzten Vorbereitungen.
Um 19.30h begeben wir uns zum Abendgebet. Danach gibt es Abendessen zu dem zum ersten Mal alle Brüder und auch Fr. Aaron anwesend sind. Anschließend bleiben wir noch eine Weile zusammen und unterhalten uns. Da Fr. Aaron heute erst aus Manila zurück gekommen ist hat er Nachholbedarf an Informationen von Peter und Ingrid.
Wir beenden den Abend mit einem Absacker in unserer kleinen Dreier-WG auf Zeit. Danach falle ich müde in mein Bett. Da ich keine Hunde höre verzichte ich auf die Ohrstöpsel, die Ingrid mir gegeben hat für den Fall, dass es zu laut ist und ich nicht schlafen kann.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Tipor



Donnerstag, 6.02.2014
Heute erlebe ich zum ersten Mal eine Erstkommunion. Wir treffen uns früh mit Fr. Jonas an der Kirche und fahren zur Barangay Tipor. Dort haben Sr. Maribelle und 2 Katechetinnen in den letzten drei  Monaten 7 SchülerInnen der Elementary School von Tipor auf ihre Erstkommunion vorbereitet. Vor dem eigentlichen Kommuniongottesdienst nimmt Fr. Jonas den sieben noch schnell die Beichte ab – im Schatten eines großen Mangobaumes. Außerdem werden vor Beginn der Messe noch schnell drei Kinder getauft. Dann beginnt der Hauptakt. Im Prinzip ist es ein ganz normaler Gottesdienst. Wie bei uns dürfen sich die Kommunionkinder aktiv an der Liturgie beteiligen, z.B. mit Vorlesen der Fürbitten. Da es nur wenige Kinder sind geht das ganze ziemlich schnell und ist schon nach einer Stunde beendet. Natürlich gibt es danach noch die obligatorische „Merienda“ – ein Snack bzw. eine kleine Mahlzeit zwischen Frühstück und Mittagessen. Da Fr. Jonas im Anschluss noch ein Meeting in Alaminos hat bleiben wir nur noch kurz und machen uns dann auf den Rückweg.

Nach einem kurzen Zwischenstop an der Kirche, wo ich endlich die ersten Bericht ins Netz stellen kann, werden wir von Nito abgeholt und wir fahren zum Haus von Dr. Pio. Dort nehmen wir gemeinsam mit ihm und seiner Familie das Mittagessen ein. Sr. Maribelle begleitet uns dorthin und nachdem die Kinder um 13.00h wieder zur Schule gebracht werden und alle Männer zurück zur Arbeit sind verbringen wir die Zeit bis zum nachmittäglichen Kaffee in Dr. Pios Haus bzw. Garten.
Es ist immer noch sehr heiß, obwohl schon seit Tagen schlechtes Wetter voraus gesagt ist. Aber das lässt auf sich warte. Zum Glück für alle Akteure des Pakwan-Festival in Bani. An diesem Wochenende wird die Ernte der Wassermelonen ausgiebig gefeiert. Wie schon berichtet dauert das Fest fünf Tage und es gibt verschiedene Höhepunkte wie z.B. Strassentanz oder den Wettbewerb der Schülerbands. Dafür wird hier schon seit Beginn der Woche geprobt und überall hört man Trommeln und Marschgabeln. Am ersten Hauptfesttag, Samstag, 8.Februar, werden wir allerdings nicht hier sein, dann an diesem Tag findet in Salasa das 300jährige Kirchenjubiläum statt, zu dem wir eingeladen sind. Vielleicht kann ich am Sonntag noch einen kleinen Eindruck vom Pakwan-Festival bekommen, bevor ich für den Rest meiner Zeit nach Burgos umziehe.
Wir beschließen den heutigen Tag in Lucap, wohin uns Fr. Jonas zum Abendessen einlädt. Insgesamt ein eher fauler Tag den wir hauptsächlich mit Essen und Trinken verbringen – und mit guten und interessanten Gesprächen!

Mittwoch, 5. Februar 2014

Bani / Centro Toma



Samstag, 1.02.2014 – Montag, 3.02.2014
Zum ersten Mal bin ich alleine unterwegs nach Bani. Keine Reisegruppe und kein Reiseleiter, die mir zur Seite stehen könnten. Es beginnt schon damit, dass ich mich Samstagvormittag nur bis zur U-Bahnhaltestelle „HOHEMARK“ der U3 in Oberursel bringen lasse – ab da fahre ich alleine zum Flughafen. An sich ist das für mich keine große Herausforderung, bin ich doch ÖPNV-erprobt. Aber Bauarbeiten im S-Bahn-Tunnel, Verspätungen und eine überfüllte S8 Richtung Flughafen machen die Sache auch für mich wieder spannend. Da ich genug Zeit eingeplant habe bin ich rechtzeitig zum Einchecken am Flughafen. Die Schlange vor dem Schalter der Qatar-Airways ist zwar ziemlich lang, aber es geht doch überraschend schnell. Nach der üblichen Sicherheits- und Passkontrolle habe ich dann noch genug Zeit bis zum Boarding. Die 6 Stunden nach Doha vergehen tatsächlich „wie im Flug“ – und nach 3 Stunden Wartezeit startet der Flug nach Manila fast pünktlich. Ich kann ca. 4 Stunden schlafen, so dass ich zwar nicht komplett ausgeruht, aber wach in Manila ankomme. Dort werde ich schon von Dulce und Nito erwartet. Zusammen mit ihren Kindern und Begleitung holen sie mich ab und bevor wir nach Bani fahren, treffen wir uns noch in einer der zahlreichen Malls (Einkaufszentrum) von Manila mit Dulces älterer Schwester und deren Mann zum Dinner. Nach einer mehr als 5-stündigen Fahrt kommen wir dann gegen 23.30h in Bani an. Ich wohne bei Ate Lita, die uns schon sehnsüchtig erwartet. Nach einer kurzen herzlichen Begrüßung gehen wir schlafen, denn der Tag war lang und anstrengend.
Montag früh bin ich schon um 7.00h wach – trotz Zeitverschiebung und Jetlag. Nach einem ausgiebigen Frühstück verbringen Lita und ich den Vormittag ganz gemütlich mit Austausch über die Ereignisse des vergangenen Jahres. So merken wir nicht, dass es schon Zeit zum Mittagessen ist, bis Fr. Jonas eine Nachricht schickt, dass wir zum Lunch erwartet werden. Schnell machen wir uns auf den Weg zur Kirche. Dort angekommen muss ich vor dem Essen noch die voranschreitenden Bauarbeiten an der Kirche bewundern. Der neue Anbau an die Kirche ist wirklich beeindruckend und man kann sich jetzt schon gut vorstellen wie es einmal aussehen wird wenn er fertig ist. Sehr gut gefällt mir das neue Kreuz. Fr. Jonas hat sich hier von dem von Thomas Eckermann gestifteten Kreuz auf dem Großen Feldberg inspirieren lassen. Ich finde es schafft eine ganz besondere Verbindung zwischen den Partnergemeinden Schmitten und Bani.
Nach dem Mittagessen, das wir mit Nachtisch und Kaffee bis in den frühen Nachmittag  verlängern, besprechen wir die Planung für die Zeit meines Aufenthaltes in Bani. Anschließend fahren wir nach Alaminos wo ich im Pastoral Center Geld tauschen kann und mir anschließend in der Mall noch eine philippinische SIM-Karte besorge. So kann ich vor Ort für kleines Geld Kontakt halten und muss mein Konto nicht mit den teuren Rooming-Tarifen strapazieren. Es ist derzeit also nicht möglich mich über Handy zu erreichen, da ich alle Dienste abgeschaltet habe.
Ab Dienstag wird das Programm für mich etwas straffer, es bleibt aber zwischendurch noch genug Zeit zum ausruhen. Ganz so, wie ich es mir gewünscht habe, entfällt der „große Bahnhof“ und ich kann mir in den nächsten Tagen einen Eindruck über den Stand und den Fortschritt der verschiedenen Projekte machen. Also, lieber LeserInnen, dran bleiben – die nächsten Berichte werden sicher interessant!

Dienstag, 4.02.2014
Das Programm des heutigen Tages widmet sich ganz dem Projekt der behinderten Kinder. Eigentlich sind inzwischen daraus zwei Projekte geworden. Begonnen hatte alles mit dem STAC-Program (Stimulation and Activity Center for Special Children). Dieses Programm wurde seinerzeit von der Zivilgemeinde Bani zusammen mit einer dänischen Organisation gestartet. Nachdem die Dänen sich aus dem Projekt zurückzogen, ist die Kirchengemeinde Bani hier aktiv geworden. Das war etwa zur gleichen Zeit als die Schmittener Gemeinden sich entschlossen haben die Partnerschaft mit Bani zu beginnen. Zuerst gab es nur einen kleinen Therapieraum in der Stadtmitte von Bani. Da es aber noch mehr behinderte Kinder in den sog. „Uplands“ gibt, die den weiten Weg nach Bani zu Therapie nicht regelmäßig kommen können, entschloss man sich im Centro Toma eine weitere Therapiegruppe einzurichten. Zu Beginn fand die Therapie hier in der Markthalle statt, inzwischen gibt es ein Health Center (Gesundheitszentrum), gebaut von der Zivilgemeinde, das von der Therapiegruppe  genutzt werden kann. Die Gruppentreffen finden aber nach wie vor in der Markthalle statt.
Den Therapieraum in der Stadtmitte gibt es seit einiger Zeit nicht mehr, da die meisten Kinder sowieso von außerhalb kamen. Stattdessen wurde vor etwa 5 Jahren in der Bani East Integrated School die SPED-Class eingerichtet (Special Education), die von Madame Pinky geleitet wird. Eine, wie ich finde, sehr engagierte Lehrerin, die sich zusammen mit dem taubstummen Lehrer A… um die derzeit insgesamt 35 SchülerInnen kümmert. Die Gruppe setzt sich zusammen aus Kindern verschiedenen Alters und verschiedener Behinderungen:  Taubstumme, Blinde, geistig und körperlich Behinderte u.a. werden gemeinsam unterrichtet. In zwei Schichten besuchen die Kinder den Unterricht, die eine Hälfte vormittags bis zum Lunch, die andere Hälfte nachmittags. Die meisten Kinder werden immer begleitet von einem Familienmitglied, das während des Unterrichts anwesend ist und sich auch um das Mittagessen kümmert.
Unser erster Besuch heute Vormittag gilt der SPED-Class. Wir sind um 9.45h mit der Schuldirektorin verabredet. Gemeinsam besuchen wir die Klasse. Da Walter Henkes und ich letztes Jahr schon mal hier waren werde ich von einigen wieder erkannt. Madame Pinky freut sich sehr über die Buntstifte, die ich mitgebracht habe. Finanziert wurden diese Stifte aus einer Privatspende von Frau Demer aus Mengerskirchen. Des Weiteren konnte ich eine Spende aus dem Benefizkonzert des Männergesangvereines und der Zimbächer Musikanten Mengerskirchen von 965,- Eur übergeben. Dieses Geld wird u.a. für den Bau eines Sanitärraumes für die SPED-Class verwendet. Derzeit liegt die Toilette innerhalb des Klassenraumes was zwar praktisch aber nicht unbedingt hygienisch ist. Geplant ist ein Anbau an den Klassenraum mit Toilette, Dusche und Waschbecken. Dadurch wird auch im Klassenraum wieder Platz gewonnen und einer Anschaffung von dringend benötigten Tischen und Stühlen steht dann nichts mehr im Weg.

Madame Pinky liebt ihre SchülerInnen und versucht alles um ihnen Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Ihr aktuelles Projekt: Teilnahme an einem Wettbewerb im Bocchia spielen. Einige der SchülerInnen mit Downsyndrom sind wohl sehr gut darin. Allerdings fehlen ihr dazu richtige Bocchiakugeln. Ich habe ihr versprochen, dass ich versuche diese zu organisieren. Falls also jemand von meinen LeserInnen noch ein paar Kugeln im Keller hat, die seit Jahren nicht benutzt werden und entbehrlich sind – bitte bei mir melden! Ich organisiere gerne die Abholung und den Transport nach Bani.
Nach den Mittagessen fahren wir dann ins Centro Toma. Mit uns kommen 4 Studentinnen, die im Rahmen ihres Sozialarbeit-Studiums eine Auswertung der Arbeit der letzten 5 Jahre im Centro Toma anfertigen werden. Außerdem begleitet uns Alan, der Sohn von Dr. Pio, der heute für die Therapie zuständig ist. Nach der Begrüßung durch Dulce dürfen sich alle Gäste vorstellen und ein paar kurze Worte sagen, dann beginnen die 4 Studentinnen auch schon mit ihrer Arbeit. Zuerst befragen sie die anwesenden Kinder über ihr derzeitiges Befinden, wie es ihnen vor 5 Jahren gegangen ist und was sie sich für die Zukunft wünschen. Je nach Fähigkeit schreiben oder malen die Kinder ihre Antworten. Dazu können sie schon die Buntstifte benutzen, die ich auch für diese Kinder von der Privatspende aus Mengerskirchen finanziert habe. Im Anschluss werden die einzelnen Ergebnisse der Gruppe vorgetragen. Nach einer kurzen Spielpause beginnt dann die Befragung der anwesenden Mütter mit der Vorstellung auch dieser Resultate – diesmal von den Müttern selbst. Noch während ihres Vortrages bricht die erste Mutter in Tränen aus und so geht es dann immer weiter. Alle sitzen da und heulen – aber es ist keine Traurigkeit sondern es sind Freudentränen die hier vergossen werden, denn für alle hat sich das Leben zum Besseren gewandelt. Eine Mutter vergleicht ihr Leben mit einer Frucht, die früher sauer war und jetzt süß geworden ist. Selten habe ich so Etwas erlebt – auch wenn ich kein Tagalog verstehe kommen diese Emotionen doch direkt bei mir an.
Schnell verfliegt die Zeit und wir müssen uns verabschieden. Allerdings nicht ohne das Versprechen bald wieder zu kommen. Es ist immer wieder eine Freude hierher zu kommen und zusehen welche Fortschritte diese Kinder machen. Nicht zuletzt auch durch die finanzielle Unterstützung unserer SpenderInnen. An dieser Stelle möchte ich ganz herzlich der Gemeinde Waldernbach für ihre Spende über 1.800,- Eur danken, die in diesem Projekt sicher gut angelegt sind.
Mittwoch, 5.02.2014
Ganz Bani ist in diesen Tag eifrig dabei das Pacwan-Festival vor zu bereiten (Fest der Wassermelonen). Seit Anfang der Woche wird in der Schule für den Wettbewerb der Trommler und Fahnenschwenker geprobt und die Stadt putzt sich heraus für die Festtage, die heute beginnen. Dazu später mehr.
Unbeeindruckt von all diesen Aktivitäten machen wir uns heute Vormittag auf den Weg in die Barangay Bugtong um an dem dortigen Feedingprogram teil zu nehmen. Auch eines unserer Projekte, das wir seit Beginn der Partnerschaft unterstützen. Mit Unterbrechung im Schuljahr 2011/2012 ist das seit 2007 das vierte Programm dieser Art. Schon der Weg dorthin ist ein Erlebnis für sich. Ich bin ja schon vorgewarnt worden, die Straße sei sehr staubig, und das entspricht auch wirklich den Tatsachen. Nachdem wir von der Hauptstraße abbiegen und eine mehr als abenteuerliche Brücke überquert haben, beginnt der „Aufstieg“ nach Bugtong über eine staubige Piste die teilweise wie ein Tunnel ohne Deckel in die Landschaft geschnitten wurde. Es gibt kaum Steine, dafür aber sehr lehmigen Boden der sich unter den Reifen unseres 4-Gang-getriebenen Busses zu einer feinen Staubwolke entwickelt. Da ich vorne beim Fahrer sitzen darf bin ich davon nicht betroffen, aber alle die hinten auf der offenen Ladefläche sitzen hüllen sich in Tücher um nicht zu viel von dem Staub zu schlucken. Man kann sich vorstellen was bei Regen mit dieser Straße passiert: sie verwandelt sich in eine nur zu Fuß und mit Mühe passierbare Schlammrutschbahn.
Nach ca. 45 Minuten erreichen wir die Elementary School von Bugtong, wo wir schon von der Schulleiterin und drei weiteren LehrerInnen erwartet werden. In der Schule werden insgesamt 48 Kinder der verschiedenen Altersstufen in 3 gemischten Klassen unterrichtet; jeweils 1.+2., 3.+4. und 5.-6. Klasse zusammen. Außerdem gibt es noch die sog. „Kinder“-Klasse mit drei 5-jährigen – man könnte das als Vorschule betrachten. Als wir ankommen ist gerade noch Unterricht, aber die LehrerInnen verlassen wie selbstverständlich die Klassenräume um uns zu begrüßen. Die Kinder bleiben die ganze Zeit alleine in den Klassenräumen und arbeiten weiter. Ich glaube das wäre bei uns nicht möglich.
Das Feedingprogram beinhaltet finanzielle Hilfe zum täglichen Mittagessen für alle Kinder und Schulung der Eltern bzgl. „gesundes Kochen“. An den fünf Schultagen sind jeweils 2 Eltern für die Zubereitung des Mittagessens verantwortlich. Am Anfang der Woche wird ein Kochplan erstellt nach dem dann auch die Zutaten gekauft werden. Zu Beginn des Feedingprogram im Juni 2013 waren 80 % dieser Kinder untergewichtig und mangelernährt. Heute haben alle das altersgemäß normale Mindestgewicht und auch ihr Gesamtzustand hat sich verbessert. Die Schulleiterin dokumentiert die Entwicklung in einem 4-wöchigen Bericht mit genauer Gewichtskontrolle aller Kinder. Ein weiterer Vorteil dieses gemeinsamen Mittagessens ist, dass die Kinder  in der Pause nicht nach Hause müssen und daher auch zum Nachmittagsunterricht in der Schule sind.
Nach einer Vorstellungsrunde und dem Bericht der Schulleiterin über die Fortschritte der Kinder nehmen wir teil an dem Mittagessen. Zuerst essen natürlich die Kinder – alle in ihren Klassenräumen. Danach können wir das von den Eltern zubereitete Gericht probieren. Natürlich gibt es jede Menge Reis, dazu eine Art Fleisch/Gemüse-Topf. Wir verbringen den Rest der Pause in gemütlicher Runde unter einem großen Mangobaum und als der Unterricht um 13.00h wieder beginnt machen wir uns auf den Rückweg nach Bani.
Da wir erst am Abend wieder zum Essen bei Dulce und Nito verabredet sind nutzen Lita und ich den Nachmittag zum Ausruhen. Endlich komme ich dazu das mitgebrachte Buch anzufangen. Lita macht ein kleines Nickerchen und vergisst darüber ganz, dass sie als Lektorin für den Nachmittags-gottesdienst eingeteilt ist. Erst als wir uns fürs Abendessen fertig machen fällt es ihr wieder ein!
Wir werden von Nito abgeholt und auf dem Weg zu seinem Haus holen wir noch Schwester Maribelle, Schwester Anna und Schwester Colette ab, die auch in unserer Straße wohnen und sammeln Dr.Pio an der City Hall auf. Wir verbringen gemeinsam einen lustigen Abend bei Nito und Dulce, zu dem sich etwas später auch noch Fr. Jonas und Fr. Divino gesellen. Erst um 21.00h kommen wir zurück nach Hause – satt und müde.
Ps: Sorry, dass ich erst so spät diese Berichte veröffentlichen kann, aber ich hatte lange keinen Internetzugang. Ich hoffe das bessert sich in den nächsten Tagen.